29. GOLDEGGER DIALOGE

Foto Hech, Mag. Christoph Hettegger

 

Gesundheit ist lernbar

2. - 5. Juni 2010

"WAS UNS STARK MACHT"

So gewaltig ist der Mensch, dass er mehr ist als Himmel und Erde; seine Fähigkeit für alle Handwerke und alle Künste eingeboren, doch sind sie noch nicht alle an den Tag gebracht. (Paracelsus)

Ein Mann, stark wie ein Baum: Sein Name: Bonsai

 

„Was uns nicht umhaut, macht uns nur stärker“, sagt der Volksmund tröstlich. Wie meist, mag darin ein Körnchen Richtigkeit stecken. Sicher muss man nicht jedem Luftzug, nicht jeder (Mode-)Strömung, jedem entgegenkommenden „Ich-bin-Ich“ ausweichen. Wie immer ist Erfahrung hilfreich: wie wir ein schwieriges Geschehen verstanden und bewältigt haben, weist uns, künftig ähnliche Situationen besser zu meistern; sogar eine Niederlage, wie die derzeitige Krise, kann möglicherweise einen fruchtbaren Neuanfang anstoßen. Lösung kommt bekanntlich von „sich lösen“ und wer sich „ent-wickelt“, steht eventuell kurz einmal hüllenlos da. Berechenbare Strukturen, sichere Bindungen, und (das gegenwärtig viel strapazierte) Vertrauen als Basis unseres Zusammenlebens stellen verlässliche Haltegriffe dar.

Längst haben selbst Verhaltens- und Hirnforscher die solidarische Ader in der menschlichen Natur freigelegt. Einsamkeit schwächt erwiesenermaßen sogar das Immunsystem, anderseits macht Anerkennung stärker. Immerhin gehören wir zu jenen Wesen, die fähig sind sich selbst zu verbessern. Wenn wir dann auch noch gegenseitig unsere Potenziale wecken…

Im Grunde arbeitet ja schließlich jeder an der Stärkung des Ichs, am selbstbestimmten und selbstverantwortlichen – mit den jeweiligen Ansprüchen und gegebenen Möglichkeiten im Gleichgewicht. Und fördert eine solche Bestätigung – hoffentlich – auch beim Nächsten! Oder wird die eigene Stärke immer erst durch die Schwäche der anderen impliziert?Vielleicht müssen wir uns aber doch zuerst einigen: was bedeutet denn „stark zu sein“ für uns heute? Bedenkenswert ist jedenfalls, dass stark von „starr“ abzuleiten ist: also unbeugsam, was positive wie negative Wirkungen haben kann. Eben nicht gerade „Tugenden“, die wir ungeprüft tradieren wollen. Wie so oft hat sich ein Begriff und dessen Sinn mit der Zeit gewandelt. Verlangen wir jetzt nicht doch noch ganz andere Qualitäten, wenn wir thematisieren „was uns stark macht?“ – zumindest Begleitmaßnahmen bzw. Korrektive. Machertum – noch dazu mit Scheuklappen – sollte jedenfalls ausgedient haben. Und muss nicht manchmal den vermeintlich Starken eine Grenze gesetzt werden? Lautstarke Töne sind oft so gar nicht harmonisch – schon gar nicht im Zusammenleben!

Was vermag uns also demnach– im positiven Sinne – zu „stärken“?

Radio Salzburg

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