der KABARETT-Klassiker

Affront Theater
„Der Herr Karl“

Beginn:

Sonntag, 11.03.2018 | 20:00

der KABARETT-Klassiker

Der Monolog eines ganz normalen Opportunisten – Spiel: Fritz Egger 

Autoren: Carl Merz und Helmut Qualtinger (1961)
Regie: Michael Gampe               ohne Pause, ca. 70 min

Während er im Lagerraum einer Feinkosthandlung lustlos seiner Arbeit nachgeht, erzählt der Herr Karl seine Lebens­geschichte vom Ende des Weltkrieges bis zum Beginn der 60er Jahre. Die großen und kleinen Dramen in seinem Leben, die privaten und politischen konnten ihm nichts anhaben, denn er ist ein Überlebenskünstler, Opportunist und Profiteur, der mit Charme, Gemütlichkeit und Selbstmitleid seinen wahren Charakter verhüllt.
Der legendäre Monolog des österreichischen Raunzers, der die Autoren Qualtinger und Merz mit einem Schlag berühmt machten, zählt zu den Klassikern der Nachkriegsliteratur und hat bis heute nichts an Aktualität, Witz und Schärfe verloren. Man begegnet ihm immer noch in vielerlei Gestalt, diesem „Herrn Karl“, nicht nur in Wien. Eine tragische Gestalt, die es sich richtet, wie sie es gerade braucht, die sich selbst immer auch als Opfer denkt. Man begegnet ihm am Arbeitsamt, in den Trafiken und nun auch wieder öfter auf der Straße, vielleicht als Wutbürger, ganz oft aber einfach als Nachbar von nebenan.

„'Der Herr Karl' ist charmant und böse – und auch ohne Helmut Qualtinger in der Titelrolle ein wuchtiges Erlebnis. Fritz Egger hat es also nicht leicht. Eigentlich ist der Schauspieler ja viel zu adrett, wach und charmant, um der abgründigen Wiener Seele seinen Stempel aufzudrücken. Aber er tut es – und wie! (…) Dieses Leben als Mitläufer – 'i war illegal; illegal war damals eh jeder in Österreich!' – stellt Fritz Egger in der sorgfältigen Regie von Michael Gampe so auf die Bühne, dass es dem Zuseher bei all der Scheinwerferhitze kalt über den Rücken läuft. Und das trotz des Lachens, das einem unwillkürlich doch entkommt und für das man sich dann fast schämt. Ein
Pflichtstück für alle.“
(Kleine Zeitung)

„Die Entwicklung des Herrn Karl vom Sozialisten über den Austrofaschisten und den Nationalsozialisten zum Nachkriegs­österreicher erfolgt bei Egger aber aus einer Berechnung, die durch ihre kalte Beiläufigkeit erschreckt." (Der Standard)

Zur Historie: Helmut Qualtinger und sein Co-Autor Carl Merz wurden im Frühjahr 1961 von Erich Neuberg, dem damaligen Fernseh­spiel­chef des ORF, beauftragt, sich „etwas“ für eine 50 Minuten lange TV-Sendung einfallen zu lassen. Das Ergebnis  dieses ersten Originalfernsehspiels des ORF löste bei der Aus­strahlung am 15. November 1961 mit Helmut Qualtinger in der Titelrolle einen Skandal aus. Qualtinger / Merz waren auf einen Schlag berühmt und der Herr Karl ist seither unsterblich. Noch während „Der Herr Karl“ im Fernsehen lief, liefen beim ORF die Telefone heiß. Eine Flut von aufgebrachten Zuschauer-Protesten ergoss sich über den ORF. Wüste Verwünschungen und unflätige Beschimpfungen füllten die
Leserbrief-Spalten der Wiener Zeitungen. Es gab anonyme Mord­dro­hungen, kurz: man war außer sich. Der verantwortliche Fernsehdirektor wurde nach Sibirien gewünscht, es gab Dringlichkeitsanfragen im Parlament, die Nation war in Aufruhr. Die Stimmung, die damals herrschte, fasste der Kritiker Hans Weigel so zusammen: „Man hatte einem bestimmten Typus auf die Zehen treten wollen, und eine ganze Nation schrie: Au!“

Fritz Egger ist in Goldegg seit den frühen 90er-Jahren als Kabarettist zu erleben. Als Schauspieler gab er 1993 sein Debüt bei den Salzburger Festspielen in Shakespeares “Coriolan”, wo er auch in Shakespeares „Antonius und Cleopatra” (1994 und 1995) und Ferdinand Raimunds “Der Alpenkönig und der Menschenfeind” (1996 und 1997) mitwirkte. Seit Sommer 2013 steht er als Schuldknecht in der Jedermann-Inszenierung auf der Bühne.

Genre:

Kultur

Eintritt:

16
14 (Mitglieder, Ö1)
8 (Jugend unter 18)