ReferentInnen

BIRGIT BIRNBACHER
Geb. 1985, aufgewachsen in Goldegg und St. Veit, brach früh die Schule ab, machte zunächst eine Lehre, ging dann für eine Weile in die Entwicklungshilfe nach Äthiopien und Indien. Später machte sie ihre Matura nach und studierte Soziologie und Sozialwissenschaften. Sie arbeitete bis 2018 als Sozialarbeiterin und Soziologin in der Gemeinwesen- und Quartiersarbeit. Zeitgleich begann sie, literarisch zu schreiben und seit 2012 auch zu veröffentlichen. Ihre literarischen Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. erhielt sie den Rauriser Förderungspreis und den Autorenpreis des Irseer Pegasus. Ihr Roman-Debüt Wir ohne Wal, das 2016 erschien, wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet und für den Rauriser Literaturpreis sowie für den Alpha Literaturpreis nominiert und erlangte im Dezember 2016 einen Platz auf der ORF-Bestenliste. Birgit Birnbacher lebt mit ihrem Sohn, geboren 2016, als freie Schriftstellerin in Salzburg.  
Im Juni 2019 wurde sie zum Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen und gewann mit ihrem Prosatext Der Schrank. Die Jury lobte Birnbachers Erzählung als eine "Mikrostudie der Lebensverhältnisse". Sie erzählt von einer jungen Frau, die in einer trostlosen Salzburger Mietkaserne lebt; dort, wo weder die Straßenreinigung noch der Festspielglanz hinkommen. Zusammen mit ihren Nachbarn nimmt sie an einer Sozialstudie teil, es geht um "Lebensverhältnisse und Neue Arbeit". Um jene Schichten also, die gerne vergessen werden, wenn es darum geht, wie gut doch die Wirtschaft in Österreich läuft. In der Laudatio wurde die Sprache von Birnbachers Text als "knisternd" und "aufrührend" gelobt.


MARIANNE GRONEMEYER

arbeitete acht Jahre als Lehrerin an einer Haupt- und Realschule. Nach einem Zweitstudium der Sozialwissenschaften promovierte sie 1976 zum Thema Motivation und politisches Handeln. Von 1987 bis 2006 war sie Professorin für Erziehungswissenschaft an der Fachhochschule Wiesbaden. Gronemeyer gilt als eine Vordenkerin der wachstumskritischen Debatte. In ihrem erstmals 1988 veröffentlichten Buch „Die Macht der Bedürfnisse“ kritisiert Gronemeyer die Überflussgesellschaft und die Bedürfnisse des modernen Menschen.
Weitere wichtige Publikationen sind „Genug ist genug. Über die Kunst des Aufhörens“, „Das Leben als letzte Gelegenheit: Sicherheitsbedürfnisse und Zeitknappheit“,  „Wer arbeitet, sündigt ... : ein Plädoyer für gute Arbeit“.
Gronemeyer regt in ihren Werken dazu an, sich der Konsumgesellschaft zu entziehen und sich dem nicht zukunftsfähigen Wachstumsmodell zu widersetzen, beschäftigt sich mit der Versäumnisangst des modernen Menschen und plädiert für ein friedvolles Nebeneinander von Verschiedenheit und Vielfalt.
Sie erhielt 2011 den renommierten Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung. Marianne Gronemeyer war auch bereits mehrfach bei den Goldegger Dialogen und den Herbstgesprächen zu Gast. 
In ihrem aktuellen Buch „Die Grenze. Was uns verbindet, indem es trennt. Nachdenken über ein Paradox der Moderne“ lotet Gronemeyer in einem Rundgang durch unsere Kultur aus, wie Grenzen zustande kommen, was sie bedeuten – und was sie uns darüber sagen, wer wir sind. 
Seit Menschengedenken arbeiten wir uns an ihnen ab: Kinder loten ihre Grenzen aus, Ländergrenzen werden umkämpft und vor »Eindringlingen« geschützt, und die Medizin zögert die letzte aller Grenzen, den Tod, immer weiter hinaus…. 


CHRISTOPH QUARCH
studierte ab 1985 Evangelische Theologie, Philosophie und Religionswissenschaft und promovierte 1996 über Platons Philosophie der Lebendigkeit. Er war Redakteur bei den Evangelischen Kommentaren, anschließend Studienleiter des Evangelischen Kirchentages, danach Chefredakteur der Zeitschrift Publik-Forum. Heute ist er als Philosoph, Autor, Redner, Denkbegleiter für Unternehmen und Veranstalter/Reiseleiter von Philosophiereisen tätig. Ferner unterrichtet Quarch an Hochschulen in Deutschland und der Schweiz. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher in den Bereichen Philosophie, Unternehmensphilosophie, Lebenskunst und Spiritualität. Er begleitet Unternehmen in Kultur- und Philosophiefragen und vermittelt eine sinnorientierte Führungskunst. 2011 bis 2013 war er Herausgeber, Gründer und Redakteur der Zeitschrift „Wir – Menschen im Wandel“. Er gilt als der bodenständigste Philosoph Deutschlands. Seine jüngsten Publikationen: „Platon und die Folgen“; „Nicht denken ist auch keine Lösung“; „Mensch! Wer wir sind und was uns rettet“.
Bei den Goldegger Herbstgesprächen 2019 wird er am Beispiel seines Buches „Lob der Grenze. Warum wir das Maß des Lebens achten sollten“ das aktuelle Spannungsfeld zwischen Freiheit und Grenzen ausloten. Der Mensch der Moderne tut sich schwer mit Grenzen. Einerseits ist Grenzenlosigkeit ein Fetisch unserer Zeit: grenzenloses Wirtschaftswachstum, grenzenloser Freihandel, grenzenlose Datenströme im virtuellen Raum…. Andererseits wächst die Angst vor grenzenlosen Flüchtlingsströmen, grenzüberschreitenden Krisen, Niedergang der Anstandsgrenzen. Das Thema Grenzen offenbart die Schizophrenie der Moderne. Heilung verspricht eine Besinnung darauf, was das Leben lehrt….  


RENATA SCHMIDTKUNZ

geboren in Hattingen, Ruhr, wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus in Österreich auf. Sie studierte Evangelische Theologie und ist seit 1990 Moderatorin, Redakteurin und Dokumentarfilm-Regisseurin beim ORF. Sie erfand zahlreiche Sendungen (mit), war unter anderem Gastgeberin des legendären Club 2 und verantwortet heute die Ö1-Sendung „Im Gespräch“ in souveräner und höchst sachkundiger Weise, gespickt mit viel feinem Humor.. 2012 erhielt sie den Preis der Stadt Wien fÜr Publizistik und 2014 den Axel-Corti-Preis.
Weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist die studierte Theologin und Publizistin durch ihre jahrzehntelange Arbeit für den ORF; vor Jahren für den legendären „Club 2“, später vor allem für Ö1. Dort leitet sie seit 2013 die Reihe „Im Gespräch“ in souveräner und höchst sachkundiger Weise, gespickt mit viel feinem Humor. Sie war u.a. Mitinitiatorin des Volksbegehrens „Sozialstaat Österreich“, wirkte als Moderatorin am Burgtheater beim Projekt „Die letzten Zeugen“ mit und erhielt für ihr Engagement schon zahlreiche Preise. Vor wenigen Monaten erschien ihr vielbeachtetes Buch „HIMMLISCH FREI – Warum wir wieder mehr Transzendenz brauchen“. Darin diagnostiziert sie, dass Europa trotz seiner religiösen Traditionen und seiner von Religion geprägten Kultur das Interesse am Transzendenten weitgehend verloren hat. An die Stelle Gottes sei die Logik der Finanzmärkte getreten. Und die verlangt von uns Gehorsam. Nicht Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Mitgefühl sind die Tugenden der Gegenwart, sondern die Einsicht in die naturrechtlich anmutende Notwendigkeit des Profits und der Effizienz. Aber in der Transzendenz, dem Denken über das Irdische hinaus, liegt auch die Kraft zur Selbstbestimmung und zum Widerstand…