Projekt Tuareg 2020: "Die Tuareg. Überleben in der Wüste?"

Ausstellung – Vorträge – Filme – Schmuck
Donnerstag 10. – Sonntag 27. September 2020

ANMELDUNG

Kulturverein SCHLOSS GOLDEGG, Hofmark 1, 5622 Goldegg
T 06415 8234 E-Mail office@schlossgoldegg.at

Wir ersuchen wegen der begrenzten Plätze um Anmeldung per Telefon oder E-Mail.
Bitte beachten sie: Es gelten die allgemeinen COViD-19-Bedingungen!

Eintritt frei – Spenden erbeten für Tuareg-Projekte in der Sahara!
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ZUM THEMA

1995 gab es im Schloss Goldegg die erste Tuareg-Ausstellung unter dem Titel „DIE TUAREG. Überleben in der Wüste“. Die Ausstellung brachte uns Leben und Kultur eines Volkes nahe, das von einem rasanten Wandel bedroht war.
2000 folgte die Ausstellung „Die Tuareg. Frauen-Bilder aus der Sahara“ der Fotografin Christine de Grancy. 20 bzw. 25 Jahre später beschäftigen wir uns wieder mit den Tuareg, die, verteilt auf fünf Länder (Libyen, Burkina Faso, Mali, Algerien und Niger), in einer neuen Situation leben – die Migrationsbewegungen haben das Leben in dieser Region massiv verändert. Als Abschluss unseres Jahresthemas „Freiheit und Grenze“ zeigen wir eine Auswahl der Bilder von Christine de Grancy und laden zu Filmen, Vorträgen und Gesprächen ein. Die aktuelle Situation ist geprägt von den massiven Bestrebungen der EU, Migranten mit allen Mitteln von der Weiterreise nach Europa abzuhalten. Viele, die es trotzdem versuchen, sterben in der Wüste.

Die Vorgangsweise der EU, mit Milliardenbeträgen Militär und Polizei vor Ort aufzurüsten, ist höchst fragwürdig.

Aber nicht nur die Flüchtlingsfrage erschwert das Leben in der Sahara. Wirtschaftlich greift das „land grabbing“ immer mehr um sich, eine industrialisierte Landwirtschaft für Exportzwecke wird von Konzernen aufgebaut; selbst in der traditionellen Viehzucht wird auf große Einheiten gesetzt. Das zerstört nachhaltig eine ansonsten lebensfähige kleinstrukturierte Wirtschaft!


Als Vortragende konnten wir bekannte ExpertInnen gewinnen: Die Kultur- und Sozialanthropologin Anja Fischer als exzellente Kennerin der Tuareg-Kultur; den Ethnologen Georg Klute, der seit 40 Jahren Afrika bereist, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist; den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilmer Peter Heller – und Eva Gretzmacher, die seit vielen Jahren in Agadez lebt und dort „amanay“, das Kompetenzzentrum für Frauenprojekte, leitet. Sie führt durch die Ausstellung und wird mit Schmuck und Arbeiten aus dem Schneiderinnen-Atelier im Hofstall sein.

PROGRAMM

Donnerstag, 10. September

Ab 18 Uhr Hofstall Besichtigung der Ausstellung „Die Tuareg. Frauen-Bilder aus der Sahara“

Bilder von Christine de Grancy und Schmuck aus Agadez
19 Uhr Begrüßung und Einführung:
Cyriak Schwaighofer (Kulturverein) und Lucia Luidold (Land Salzburg)
Eröffnung: Kimbie Humer-Vogl (Klubobfrau Die Grünen, Frauensprecherin)

Vortrag Anja Fischer, Wien: „Die Gesellschaft der Tuareg als Teil einer globalisierten Welt“

– anschl. Gespräch und Film: „Die Tuareg – ein Wüstenvolk im Wandel“
Karin Bock, Christoph Gretzmacher (45 min, 2011)

Freitag, 11. September

18 Uhr Input und Gespräch mit Anja Fischer:
„Leben in der Zentralsahara – Strategien von Tuareg-Nomaden“

Sonntag, 13. September

19 Uhr Film: „Adalil - Die Herrin der Zelte“ Peter Heller (45 min, 1990)
Anschließend: Publikumsgespräch mit Peter Heller, München, und Anja Fischer

Freitag, 18. September

18 Uhr Input und Gespräch mit Anja Fischer:

Frauen-Bilder aus der Sahara – Nomadinnen im 21. Jahrhundert“
anschließend Film: „Die Frauenkarawane der Toubou“ Nathalie Borgers (90 min, 2010)

Sonntag, 27. September Abschlusstag

19 Uhr Vortrag Georg Klute, Göttingen:
„Die Tuareg heute zwischen ethnischen,
nationalen und globalen Ansprüchen“
20.30 Uhr Film: „Timbuktu“ Abderrahmane Sissako (100 min, 2015)

ZU DEN FILMEN:

„Die Tuareg – ein Wüstenvolk im Wandel“

Das heutige Leben der Tuareg am Beispiel der Wüstenstadt Agadez und ein Bericht über die Arbeit von Eva Gretzmacher für die Frauen der Stadt ...

„Adalil – Die Herrin der Zelte“

Eine alte Nomadenfrau und ihre Tochter streiten um das Glück. Frauen und Männer im offenen Disput um Liebe, Leid und Leidenschaft …

„Die Frauenkarawane“

Bei den Toubou, einem Nomadenvolk in der Sahara, ist es Frauensache (!), sich einmal im Jahr mit Kind und Kegel auf eine 1.500 km lange Reise durch die Wüste zu begeben.

„Timbuktu“

In der malischen Stadt Timbuktu übernehmen ausländischebvDschihadisten die Macht, zerstören die uralte Kultur und brüllen ihre neuen Gesetze mit Megafonen heraus …
Timbuktu ist großes, die Seele berührendes Kino!


BIOGRAPHIEN

PETER HELLER absolvierte die Hochschule für Fernsehen und Film. Nach Arbeiten beim Fernsehen in Lateinamerika und Asien begann er in Deutschland als Autor, Regisseur und Produzent, Dokumentarfilme zu drehen. Bereits in den 70er-Jahren nahm er sich der Themen des Welthandels, der Globalisierung und der Umweltkonflikte an. Ein Teil seiner Arbeiten dokumentiert Probleme, die dabei in Afrika entstanden sind. Viele seiner Filme erhielten Auszeichnungen und Preise: 1998 erhielt er den höchsten europäischen Fernsehpreis „Prix Europa“. Eine ganze Reihe seiner mehr als 70 Dokumentarfilme gehört heute zu den Klassikern des deutschen Dokumentarfilms.


GEORG KLUTE bereist Afrika seit rund vierzig Jahren; es ist ihm zur zweiten Heimat geworden. Weltweit gilt der Ethnologe als einer der erfahrensten Tuareg-Spezialisten. Prof. Klute ist u.a. Inhaber des Lehrstuhls für die Sozialanthropologie und die Ethnologie Afrikas an der Uni Bayreuth. Zahllose Feldaufenthalte in Afrika prägen Jahrzehnte gelebter Berufserfahrung und realitätsnaher Forschungsarbeit. Mit zahlreichen Tuareg verbindet ihn eine persönliche Freundschaft. Er ist Vorstandsvorsitzender des Vereins TAMAT e.V. und verfolgt seit Jahren eine unkonventionelle und direkte Entwicklungszusammenarbeit bei den Tuareg in Mali und Niger. Er spricht auch ihre Sprache: Tamashaq.


ANJA FISCHER unterrichtet als Kultur- und Sozialanthropologin an der der Universität Wien. Von 2002 bis 2012 jeden Winter mehrmonatige Feldforschungsaufenthalte bei Tuaregnomaden in der Zentralsahara. Dr. Anja Fischer ist Autorin von mehreren wissenschaftlichen Artikeln und Büchern zu den Tuareg. 2016 als Konsulentin für die UNHCR in Tuareg-FlüchtlingsLagern in Burkina Faso tätig. Sie betreibt die Info-Webseite www.imuhar.eu zur Gesellschaft der Tuareg und dem Nomadentum.